Das Kloster Kemnade


In der Zeit zwischen 956 und 965 n.Ch., als Otto der Große deutscher Kaiser war, wurde von den Schwestern Frederuna und Imma, Töchtern des Billunger Grafen Wichmann, das Kloster auf einem erhöhten Platz links der Weser gegründet. Sie nannten es „caminata“. Der um das Kloster entstehende Ort erhielt den gleichen Namen. Im Laufe der Jahre wurde über verschiedene Zwischenstufen daraus der heutige Ortsname Kemnade. Frederuna leitete das Kloster als erste Äbtissin nach den Regeln des Benediktinerordens. Unter dem Kaiser Heinrich II. (1002-1024) wurde das Kloster zu einem Reichsstift erhoben. Es durfte nun seine Äbtissinnen selbst wählen.

Das Kloster war reich. Zahlreiche Besitzungen in den umliegenden Dörfern, sowie in 20 Orten an der Elbe und sogar im Herzogtum Bremen, sorgten für eine wirtschaftlich solide Basis.

Mitte des 12. Jahrhunderts war Judith Äbtissin von Kemnade. Sie stammte aus der Familie der Grafen von Northeim. Ihr Bruder Heinrich war vorübergehend Abt im Kloster Corvey, ihr Halbbruder Siegfried IV. von Boyneburg Mitbegründer des Klosters Amelungsborn. Judith war von der Familie zu diesem Amt gezwungen worden und stürzte das Kloster in eine große Krise. Sie liebte die Geselligkeit, feierte frohe Feste und hatte verschiedene Liebhaber, denen sie auch Land schenkte. Das Kloster kam in schlechten Ruf, Kemnade wurde von Kaiser Konrad III. als „Sündenpfuhl“ bezeichnet. Der Papst forderte den Kaiser auf, Ordnung in Kemnade zu schaffen. Judith wurde aufgrund ihres freizügigen Lebenswandels abgesetzt. Es wird berichtet, dass man sie gewaltsam entfernen musste. Das vorher selbstständige Kloster ging mit all seinen Reichtümern in den Besitz des Klosters Corvey über. Mönche zogen nun hier ein. Zwei Jahre später kam Judith noch einmal zurück und vertrieb mit ihren Bewaffneten die Benediktinermönche. Den Probst ließ sie in die Weser werfen. Erst Bewaffnete aus Corvey konnten Judith Einhalt gebieten und sie endgültig vertreiben.

Bis 1169 blieb Kemnade Mönchskloster, danach stand es 25 Jahre lang leer. Erst 1294 zogen dort wieder Nonnen ein, die aber dem Propst von Corvey unterstellt waren. In den nächsten Jahrhunderten hauptsächlich zwischen 1350 und 1400 verlor Kemnade zahlreiche Besitztümer und die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich. Mitte des 15. Jahrhunderts war das Kloster bettelarm.

Im Jahre 1542 wurde im Herzogtum Braunschweig die Reformation eingeführt und das Nonnenkloster aufgehoben. Der Nonnenkonvent widersetzte sich der Reformation, wurde aber 1579 zum Verlassen des Klosters gezwungen. Das Dorf Kemnade mitsamt dem Kloster wurde dem Marschall Hermann von Malsburg als Lehen übergeben und ein protestantischer Propst übernahm die Leitung des Klosters. Er war gleichzeitig Dorfpfarrer des Ortes. Auf Beschwerde des Abtes von Corvey wurde Kemnade 1593 an Corvey zurückgegeben.

1617 wurde Herr von Eßleben aus Corvey Probst in Kemnade. Drei Jahre später entsagte er dem geistlichen Stande und heiratete. Ihm wurde das Kloster für von ihm verausgabtes Geld zugesprochen. In den folgenden 160 Jahren gab es ständig Streitigkeiten um das Kloster zwischen Corvey und dem Hause Braunschweig. 1777 wurde der Streit beendet, das Kloster Kemnade kam an die Domäne Wickensen und Corvey wurde entschädigt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Klosterhof an den Grafen von der Schulenburg in Hehlen verkauft, der die Wohngebäude an Kemnader Einwohner veräußerte. Von der ganzen Klosteranlage besteht heute noch ein Wohnhauskomplex mit abgeschlossenen Wohnungen.