Fotos von der Sanierung 2013


Klosterkirche wieder eingerüstet - Zweiter Bauabschnitt in Angriff genommen

Schon wieder eingerüstet, schon wieder Dreck und Staub, schon wieder Bauzaun – nach einem Jahr Pause ist die Klosterkirche nun wieder Baustelle. Der zweite Bauabschnitt der dringend notwendigen Sanierungsarbeiten – 2010 wurden Anker zur Stabilisierung gesetzt, 2011 die Westwand neu aufgebaut – ist in vollem Gange. Seit Ostern ist die Kirche schon geschlossen und wird es wohl auch den ganzen Sommer über bleiben.

Torsten Loose kennt sich bestens auf der Baustelle aus. Der Vorarbeiter der Fachfirma Jödicke für Bausicherung und Bauisolierung hat schon die Westwand saniert. Jeden Morgen kommt er mit seinen Kollegen aus Liebenburg bei Goslar zur Baustelle. Wenn es gut läuft, schaffen sie es in einer Stunde, Zeit, die nicht bezahlt wird. „Wir arbeiten von Montag bis Donnerstag von 7 Uhr bis 18.15 Uhr und haben dadurch freitags frei“, erklärt er. Im Augenblick haben sie die Südwand des Gebäudes in Angriff genommen. Hier wird schadhaftes Mauerwerk ausgebessert. „Der Mauerwerksaustausch ist ziemlich aufwändig, die Steine sind sehr verwittert“, erklärt Diplom-Ingenieur Christian Skibbe vom Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannover, der die Baumaßnahmen begleitet.

Bevor jedoch mit diesen Arbeiten begonnen werden konnte, mussten erst einmal alle Fugen ausgekratzt werden. Zur besseren Stabilität wird das gesamte Mauerwerk später mit Spezialmörtel neu verfugt. Ein ganz anderer Anblick dieser jetzt sehr groben Kirchenwand bietet sich dem Betrachter, die Fensterbögen zeigen so ihr ursprüngliches Gesicht.

Weitere Sanierungen sind notwendig. Das Dach wird ausgebessert, schadhafte Sandsteinplatten werden ausgetauscht. In dem Zuge wird auch gleich die Holzkonstruktion des Dachstuhls auf ihre Stabilität untersucht. Auch die bleiverglasten Fenster müssen restauriert werden. Dafür ist dann nicht mehr die Baufirma zuständig, die Arbeiten an den Fenstern werden von einer Fachfirma aus Berlin ausgeführt. Die Glaskunst Werkstatt Tanja Schölzel ist deutschlandweit tätig und wird an der Klosterkirche die gesamte Verglasung ausbauen und schadhafte Gläser ersetzen. Die Verbleiung so wie auch die Quereisen, die die Bleiverglasung halten, werden erneuert. Im Gespräch sei auch eine automatische Fensteröffnung, erläutert Skibbe, damit sich nicht so viel Feuchtigkeit in dem Gebäude ansammelt, die für die wertvollen Kunstgegenstände Gift ist.

Zwangsläufig müssen auch Putzarbeiten im Inneren der Kirche in Angriff genommen werden, im Putz zeigen sich Ausblühungen und einige lange Risse. Auch hier muss spezieller Sanierputz zum Einsatz kommen, der Salze aufnimmt und das Ausblühen verhindert. Torsten Loose zeigt auf einen langen Riss im Inneren, der sich bis nach draußen zieht. „Bei so alten Gebäuden weiß man nie, was noch kommt“, erklärt er. Da hat er schon viel erlebt. An der Klosterkirche gab es in diesem Bauabschnitt noch keine Überraschungen, nur ein Wespennest musste entfernt werden. Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein – bei der Sanierung 2010/11 fielen beim Bohren große Stücke Putz aus der Wand und bedeckten Mobiliar und Kunstgegenstände mit feinem Staub - , wurde das Innere der Kirche komplett eingepackt. Die empfindliche Orgel wurde von einem Orgelbauer fachgerecht geschützt und für die Kunstgegenstände wurde ein Restaurator aus Hannover von Skibbe beauftragt, der sich um die Sicherung kümmerte. Altar und Triumphkreuz sind in weiße Folie verpackt, Bänke, Taufstein, Lesepult und Kanzel werden von grauer Plane eingehüllt. Das Triumphkreuz mutet an wie ein Kunstwerk von Christo, der einst den Reichstag verpackte. Im südlichen Querschiff hat die Strahlenkranzmadonna zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit ihren Platz an der Wand verlassen. Darunter zum Vorschein kommt die frühere blau-graue Bemalung der Kirche. Die Madonna steht nun zusammen mit dem ältesten beweglichen Kunstwerk der Kirche, dem Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert, gut geschützt in der Sakristei. Wie lange sie dort ausharren muss, bleibt abzuwarten. Circa 320 000 Euro sind für diesen zweiten Bauabschnitt von der Landeskirche vorgesehen, 50 000 muss der Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder bezahlen. In einem weiteren dritten Bauabschnitt muss dann die Apsis, der Gebäudeteil in dem der Altar steht, in Angriff genommen werden. „Wir hoffen, dass das eventuell gleich mit diesem Bauabschnitt noch passiert“, meint Christiane Sahm, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, „damit wir die Kirche nicht noch einmal sperren müssen.“